Stollwerck Gold
Alte Fundstücke auf Alltagserinnerungen.de Jeden Tag verlöschen die Feuer der Erinnerung. Damit sie nicht unwiederbringlich verloren gehen halte ich sie am Leben. Heute: Stollwerck Gold.
Stollwerck Gold
Heute habe ich Dir wieder ein Fundstück aus vergangen Tagen mitgebracht, den Stollwerck Gold Schokoladen Sparautomat.
Ich habe Dir in einem anderen Artikel ein wesentlich älteres Exemplar dieser kleinen Automaten der Firma Stollwerck vorgestellt. Falls Du diesen verpasst hast, Du findest ihn genau hier.
Aber heute ist es ein anderes Modell, welches etwas später auf den Markt gebracht wurde.
Ich schätze seine Entstehungszeit in die Zeit um 1900.
Vom Aufbau ist der Automat ähnlich dem bereits erwähnten.
Doch die Gestaltung unterscheidet sich völlig.
Eingeführt wurde die Marke Stollwerck Gold um 1900 mit folgendem Reklamespruch:
Stollwerck Gold – beherrscht die Welt!
Markige Worte, aber die Marke war sehr erfolgreich und die Firma Stollwerck auch durch dieses Produkt zum größten Schokoladenhersteller der Welt aufgestiegen.

Die Firma Stollwerck.
Gründer des Unternehmens ist Franz Stollwerck, welcher in Köln bereits im Jahr 1839 ein Werk zur Herstellung von Hustenbonbons eröffnet.
Erst um das Jahr 1860 nimmt man auch Schokolade in sein Programm auf. Dies ändert die gesamte weitere Zukunft des Unternehmens. 1871 wird die Firma in Gebr. Stollwerck umbenannt.
Allerdings fällt diese heftige Expansion in die Zeit nach dem Tod des Unternehmensgründers im Jahr 1876.
Seine fünf Söhne übernehmen die Nachfolge und bauen das Unternehmen weiter aus.
Um den Verkauf der Produkte weiter zu beflügeln stellt man im Jahr 1887 erste Verkaufsautomaten auf. Diese entwickeln sich rasant zu einem Erfolg und bereits 1893 gibt es mehr als 15.000 dieser Verkaufsstellen gegen Münzeinwurf.
Im Jahr 1894 erfolgt der Schritt über den großen Teich in die Vereinigten Staaten von Amerika.
Der Erfolg kennt kaum noch eine Grenze, immer mehr Niederlassungen und Werke in anderen Ländern werden eröffnet. Stollwerck wird zu einem der erfolgreichsten Unternehmen seiner Branche.

Niedergang und Neugeburt von Stollwerck.
Erst der Erste Weltkrieg beendet diesen weltweiten Siegeszug.
Und als war dies nicht genug, folgt darauf die Weltwirtschaftskrise und nur ein paar Jahre später der Zweite Weltkrieg.
Hinzu kommen Fehlinvestitionen und die Deutsche Bank steigt ein und verdrängt die Gründerfamilie aus dem Unternehmen.
Davon wird sich Stollwerck nie mehr komplett erholen.
Im Jahr 1972 übernimmt Hans Imhoff das Unternehmen für eine symbolische Deutsche Mark.
Zunächst ein Glücksfall.
Imhoff gelingt es den Abwärtstrend zu stoppen und in die Erfolgsspur zurückzukehren.
Am Standort Köln gründet er, im Jahr 1993, mit einer Investitionssumme von über 50 Millionen DM das heutige Imhoff Schokoladenmuseum.
Hier sind viele Bezüge zur Geschichte der Firma Stollwerck integriert.
Aber im Jahr 2002 wird das Unternehmen an die Firma Barry Callebaut AG veräußert, welches zu, damaligen Zeitpunkt in den Beteiligungskreis der Familie Jacobs (ursprünglich Jacobs Kaffee) gehört.
Nur vier Jahre später wird die Zusammenarbeit mit dem Imhoff Schokoladenmuseum beendet und viele Objekte aus der Stollwerck Historie aus der Ausstellung entfernt.
Das Museum gibt es noch heute – Du findest den Internetauftritt hier.

Schokoladenautomaten.
Die Idee dahinter ist gewesen, aus dem Verkaufserfolg der großen Automaten einen Reklameträger in die Kinderstuben zu bringen.
Hergestellt werden die kleinen Automaten oft von spezialisierten Firmen wie Johann Andreas Issmayer aus Nürnberg, welche von 1861 bis 1932 Blechspielzeugwaren herstellt.
Was zunächst nur eine Idee ist, entwickelt sich zum Erfolg in Kinderhänden.
Die Eltern bestücken den Automaten mit Schokolade oder passenden Süssigkeiten und verschließen ihn mit einem Schlüssel. Die Zöglinge werfen Geld hinein, um an die Leckereien zu kommen.
Es funktioniert nur mit 10 Groschen Stücken, ist der Einwurf höher oder niedriger, dann öffnet sich die “Schublade” nicht und das Geld fällt durch und wird gespart.
Somit wird ein erzieherischer Spareffekt erzielt.
Freilich muss auch dieses Geld irgendwo herkommen. Letztlich bezahlen die Eltern oder Verwandten dafür.
Aber das Kind lernt den Umgang mit dem Geld.

Mehr über Hans Imhoff findest Du auf der Seite der Imhoff Stiftung hier.
Unser Automat mit den Aufdrucken “Stollwerck Gold” ist ca. 16 cm in der Höhe.
Er ist mit einem Ausgabeschacht versehen, es gibt auch Stollwerck Automaten mit zwei Ausgabeschächten – diese aber nicht mit dem hier vorhandenen Aufdruck.
Dazu vielleicht ein anderes Mal mehr.
Er ist rundum in goldener Farbe auf dunklem Grund lithografiert, was ihm eine edle Optik verleiht.
Die Rückseite ist aus Glas und gewährt einen Einblick in das Innenleben.
Ich habe auch Modelle mit einer Blechrückseite gesehen.
Oben auf dem “Dach” erfolgt der Einwurf der Groschen und wenn es genau 10 Groschen sind, dann wird mit dem kleinen Griff eine kleine Schachtel herausgezogen.
Passt das Geld nicht, tut sich beim ziehen nichts.

Diese kleinen Erinnerungsstücke sind besonders schön und heute noch bei Sammlern und Sammlerinnen begehrt.
Hierdurch schwanken die Preise sehr, je nach Zustand.
Auch in der Sendung Bares für Rares wird ein solches Stück einmal gehandelt und zu einem stolzen Preis verkauft.
Er wechselt für 450 Euro den Inhaber.
Die Schokolade ist natürlich längst verblichen, aber der Automat sieht noch immer gut aus.
Mir gefällt mein heutiges Fundstück, Dir auch?
Jetzt mache ich mich wieder auf die Suche nach den “Leuchtfeuern” aus dem vergangenen Alltag.
Bleib interessiert.
Björn

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