Husaren Nähetui

Fundstück: Das Husaren Nähetui. Alte Fundstücke aus einem untergegangenen Alltag auf Alltagserinnerungen.de Heute berichte ich aus einer Zeit um 1900, mit einem interessanten Fundstück.

Ich merke gerade, in letzter Zeit ist nicht viel los auf Alltagserinnerungen.de Liegt an der vielen Arbeit, die ich in den zurückliegenden Wochen hatte. Da komme ich einfach nicht dazu meine Artikel zu schreiben.

Aber heute habe ich mir die Zeit „gestohlen“, glücklicherweise bei mir selbst.

Und ein schönes Fundstück habe ich auch im Gepäck – dann kann es jetzt losgehen, nicht wahr.

Also gut, fangen wir an.

Das Husaren Nähetui.

Ein kleines zylinderförmiges Etwas liegt vor mir auf dem Tisch. Schon auf den ersten Blick erkenne ich die Zeit, aus der es stammt. Blickt mich doch Kaiser Wilhelm II. mit seinem gezwirbelten Bart ernst an. Erinnert etwas an Horst Lichter, der Bart – Du verstehst mich.

Das heutige Fundstück dürfte also aus der Zeit um 1900.

Um den Kaiser verläuft der Spruch „Mit Gott für König u. Vaterland“.

Husaren Regiment Landgraf Friedrich von Hessen-Homburg.

Oben befindet sich ein abschraubbarer Deckel.

Auf dessen Außenseite finde ich weitere Informationen über die Herkunft dieses kleinen Fundstücks.

Ich lese die Inschrift

Husaren Regiment Landgraf Friedrich von Hessen-Homburg. (2. Hess. No 14) Cassel

Ein weiterer Beleg auf die Herkunftszeit um 1900. Gleichzeitig verrät es mir das sein Träger dem bereits genannten Husaren Regiment angehörte.

Husaren.

Die Husaren waren eine Truppengattung der leichten Kavallerie. Ihre Ursprünge liegen in Ungarn.

Genanntes Husaren-Regiment „Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg“, wurde auch als 2. Kurhessisches Nummer 14 bezeichnet.

Es war eines von 21 Husarenregimenter des damaligen Deutschen Kaiserreiches, als der Krieg 1914 ausbrach.

Wenn es ein 2. Kurhessisches gab, dann sicher auch ein Erstes? Genau. Dieses trug den klangvollen Namen „Husaren-Regiment König Humbert von Italien No 13“. Beide gehörten zur preußischen Armee.

Kurhessen war damals bereits Teil von Preußen, während meine Heimat, das Großherzogtum Hessen-Darmstadt, eigenständig geblieben ist. Aber dies ist eine andere Geschichte.

Auf dem Deckel befindet sich „Escadron 4“ – was für die vierte Eskadron steht. Das Wort stammt aus dem französischen und bedeutet etwa „Schwadron“. Dies war die kleinste taktische Einheit in der Kavallerie.

Die Kurhessischen Husaren trugen eine kornblumenblaue Attila mit weißer Verschnürung und grauem Pelzbesatz. Die Kopfmütze war eine Pelzmütze aus Seehundfell.

Sehr beeindruckende Erscheinung.

An der Seite ist eine Art Gürtelclip zu finden, dort ist das „D.R. Gebr. Muster No 35429“ eingestanzt.

Schrauben wir es jetzt auf.

Wie bereits in der Überschrift benannt, handelt es sich um ein hölzernes Nähetui. Damit konnte der Husar seine Uniformknöpfe annähen oder solche Dinge.

Die Nadeln sind leider nicht mehr vorhanden.

Der Zettel – eine Botschaft aus der Vergangenheit.

Letztlich liegt dem Etui noch ein kleiner Zettel bei.

Er enthält folgenden Text:

Lieber Herbert, dein Großvater XXX diente von 1890 bis 1902 im 14. Husaren Regiment in Kassel unter Kaiser Wilhelm II. als Vizewachtmaster und Menage Buchhalter.

Zur Ausrüstung diente dieses kleine Nähutensiel. Vater hatte es mir geschenkt. Ich gebe es an dich weiter. Deine Mutter.

Damit wissen wir, unser Fundstück entstammt aus der Zeit von 1890 bis 1902. Ein richtiges kleines „Leuchtfeuer“ aus einem vergangenen Alltag.

War doch ein richtig interessantes Fundstück heute. Es hat vieles über seine Herkunft verraten und jetzt steht es in einer Vitrine meiner Sammlung.

Solche interessanten Stücke gefallen mir ganz besonders. Auf den ersten Blick unscheinbar, aber doch ein richtiger „Botschafter“ aus einem untergegangenen Alltag.

Vielleicht hat es Dir auch ein wenig gefallen.
Wenn ja, freue ich mich schon, Dir demnächst ein weiteres Fundstück zeigen zu können.

Bis dahin, bleib interessiert,
ich grüße Dich

Björn

 

 

 

 

 

4 Kommentare
    • Björn sagte:

      Hallo Bernhard,

      ich mache es seit vielen Jahren – leider sind viele der ganz alten Beiträge mittlerweile ins Nirgendwo verschwunden.

      Schöne Grüße
      Björn

      Antworten

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