Alte Fundstücke

Liebigs Fleischextrakt

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Februar 1, 2020

Alte Fundstücke: Liebigs Fleischextrakt. Von der stärkenden Brühe für Leidende zum weltweiten Bestseller. Ein Nährmittel für die Masse.

So eine stärkende Rindfleischbrühe tut gut, wissen wir. Zunächst konnte ich mit meinem heutigen Fundstück nicht viel anfangen. Der Titel „Liebigs Fleischextrakt“ (in heutiger Schreibweise) sagte mir nicht viel. Auf den ersten Blick gefiel mir die Abbildung auf diesem kleinen Heftchen.

Nach ein bisschen Recherche kann ich Dir jetzt mehr verraten.

Was ist ein Fleischextrakt?

Hierbei handelt es sich um ein konzentriertes Extrakt (lateinisch von entnehmen) vom Rindfleisch. Die braune Masse wird aus dem Muskelfleisch hergestellt und man verwendet sie zur Herstellung einer Fleischbrühe.

Wie wird Fleischextrakt hergestellt?

Das Muskelfleisch vom Rind wird zunächst erhitzt, es entsteht eine kräftige Fleischbrühe. Nach dem Abkühlen der Flüssigkeit bleibt beim Filtrieren das Fett zurück. Wird nun weiter eingekocht, entsteht eine Substanz, welche an eine Salbe erinnert. Das Fleischextrakt, dieses kann später durch Beigabe von Wasser wieder gelöst werden und als Suppe gegessen werden.

Solche Fleischextrakte gab es bereits seit dem 17. Jahrhundert, also recht früh, als Würfel für Reisen. Besonders für die langdauernden Fahrten auf den Segelschiffen war es eine hilfreiche Verpflegungsmöglichkeit.

In Frankreich entwickelten die Chemiker Joseph Louis Proust und Antoine Augustin Parmentier ein Verfahren zur industriellen Herstellung von Bouillontafeln.

Soweit die Vorgeschichte.

Kommen wir zu Justus von Liebig.

Liebigs Fleischextrakt.

Justus Liebig, der sich ab 1845 Freiherr von Liebig nennen durfte, war ein deutscher Chemiker und wurde bekannt für seine Entdeckungen wie den Mineraldünger. In meinem kleinen Heimatdorf war seine Verwandtschaft sesshaft.

In den 1840er Jahren entwickelte er im Laufe seiner Forschungen einen konzentrierten Fleischextrakt. Als um 1853 die Tochter eines Bekannten von ihm an Cholera erkrankte, gab er ihr dieses Fleischextrakts. Mit gutem Erfolg.

Justus von Liebig

Liebig veröffentlichte daraufhin einen Artikel in den „Analen der Chemie“ unter dem Titel „Eine neue Fleischbrühe für Kranke.“

Der deutsch-brasilianische Unternehmer Georg Christian Gilbert hatte diesen Artikel gelesen und einigte sich mit Liebig auf eine Zusammenarbeit in Uruguay. Weshalb Uruguay? Kennen wir heute fast nur vom Fußball? Ganz einfach, in Uruguay gab es eine verbreitete Rinderzucht. Dies vor allem wegen der Häute, das Fleisch konnte zu jener Zeit noch nicht exportiert werden. Es war nicht lange genug haltbar zu Konservieren.

Fortan wurde in Uruguay eine Produktionslinie für Liebigs Fleischextrakt eingerichtet und das Produkt wurde erfolgreich von dort in die ganze Welt verkauft. Die Unternehmung trug den Namen „Liebig´s Extract of Meat Company (LEMCO)“.

Um 1880 brachte das Unternehmen einen Brühwürfel auf den Markt, der Ahnherren der späteren Suppenwürfel.

Die Liebigbilder.

Sie wurden erstmalig 1875 in Paris auf den Markt gebracht und dienten als Werbemaßnahme für den Fleischextrakt.

Diese Bilderserien wurden sehr beliebt und waren um 1900 weit verbreitet. Es gab ganze Kataloge über die herausgegebenen Bilder und seltene Serien wurden mit bis zu 300 Goldmark bewertet.

Das Fundstück.

Liebig Company´s Fleisch-Extract

Unentbehrlich in jeder Haushaltung.

Nur Echt, wenn jeder Topf den Namenszug J. Liebig in blauer Schrift quer durch die Etiquette trägt.

Man hüte sich vor Fälschungen und Nachahmungen.

So steht es groß auf dem kleinen Heftchen. Wobei es sich um ein kleines Kochbuch handelt. Liest man weiter erfährt man:

Werth und Nutzen von Liebig Company´s Fleisch-Extract. Practische Rathschläge zu dessen zweckmässiger Verwendung. Von der Bearbeiterin des Kochbuches Henriette Davidis.

Henriette Davidis.

Johanna Friederika Henriette Katharina Davidis zählt heute zu den bekanntesten Kochbuchschreiberinnen in Deutschland. Ihr „Praktisches Kochbuch“ entwickelte sich im Laufew der Jahre zum wichtigsten Kochbuch im frühen 20. Jahrhundert.

Henriette Davids

Henriette Davids

Hecht im Mantel.

In der Rubrik „3. Fischgerichte“, habe ich Dir dieses Rezept ausgesucht.

Ziemlich große Fische werden Tags zuvor gereinigt, von der Haut befreit und in eine Pfanne gelegt, hier mit Salz, Pfeffer und Muskatnuß bestreut, mit ½ Liter Weißwein und dem Safte einer Zitrone begossen und im Laufe des Tages mehrere Male umgewendet.

 

Eine Stunde vor dem Anrichten am folgenden Tage nimmt man den Hecht aus der Marinade, gießt diese durch ein Sieb und verrührt ¼ Liter derselben mit 10 Gr. Liebig´s Fleichextract, 60 Gr. Mehl, 30 Gr. Butter und 4 Eidottern auf gelindem Feuer zu einer dicken Creme, mit der man den Fisch möglichst gleichmäßig bestreicht. Man bestreut ihn noch mit geriebener Semmel und Parmesankäse, brät ihn alsdann in Butter unter fleißigem Begießen ¼ bis ½ Stunde je nach Größe und reicht ihn mit einer Krebssauce oder holländischen Sauce zu Tisch.

Ein kleines Fundstück, welches nun meine Sammlung ergänzt.

Hast Du weitere Informationen hierzu, kannst Du meinen Artikel ergänzen? Schreib mir gerne in die Kommentare.

Ich hoffe es hat Dir ein wenig gefallen,
bis zum nächsten Mal, bleib interessiert

Björn

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Björn
Odenwald, Hessen

Hallo, ich bin Björn. Blogger, Entdecker, Fotografierer und Sammler aus Leidenschaft. In meinem Blog zeige ich Dir alte Fundstücke, entdecke mit Dir "meinen" Odenwald und zeige Dir Fotos von meinen Ausflügen in die heimische Fauna und Flora.

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