Petticoat – Stärke

Alte Fundstücke: Die Petticoat-Stärke. Ich bin auf der Suche nach den vergessenen Leuchtfeuern eines untergegangen alltags. Alltagserinnerungen.

Ein heißer Tag.

Die Hitze flirrt auf den Straßen, wer kann, bleibt im Schatten.
So auch Peter, der den Nachmittag frei hat.

In der Milchbar an der Ecke sitzt er in der kühle und trinkt seinen Shake. Ab und an greift er nach einer der Salzstangen in dem kleinen Behältnis auf dem nierenförmigen Tisch. Während er in der Jugendzeitschrift blättert.

Aus der Jukebox singt Connie ihre Teenagermelodie.

Eigentlich wartet er auf die Peggy Lou, da kommt sie gerade durch die Schwingtür mit einem strahlenden Lächeln.

Mit einem gehauchten Kuss auf die Wange begrüßt sie Peter und setzt sich in ihrem Petticoat-Kleid auf das Kunstleder des Stuhls.

Sie kann nicht lange bleiben, muss noch einkaufen – Mutter braucht noch Petticoat-Stärke.

Und schon ist die schöne Erinnerung dahin und ich sitze hier und habe mein heutiges Fundstück auf dem Tisch.

Der Petticoat.

Was ist das eigentlich? Im Grundsatz handelt es sich um einen Unterrock, der etwas aufgebauscht ist. Seine Hochzeit hatte er sicher in den 1950er -Jahren. Damals wurde der mit Spitzen und Rüschen verzierte Petticoat aus Nylon oder Perlonstoffen hergestellt.

Das Wort hat seinen Ursprung in der Bedeutung von „kleiner Mantel“, zusammengesetzt aus den Bestandteilen von petit und coat – irgendwann ging es in das heutige Wortgeschöpf über.

Bereits die Damenwelt im 16. Jahrhundert trug solche weiten Röcke als formgebende Unterstützung unter dem Kleid. Später hatte die aufkommende Krinoline eine ähnliche Funktion. Dabei handelte es sich um Gestelle aus reifenartigen Gebilden für den Unterbau.

Nun aber wirklich zum Fundstück, eine Packung Petticoat-Stärke.
Diese ist im Typischen Fünfzigerjahre Design gehalten und gefällt mir gut.

Hergestellt wurde sie von der Firma Hoffmann´s Stärkefabriken AG. Dieses Unternehmen war einst der größte Produzent von Stärke in ganz Europa, heute ist es längst Geschichte. Aufgegangen in einem großen Chemieunternehmen.

Unvergessen ist aber die kleine Katze, welche seit 1876 die Produkte des Unternehmens zierte. Ich habe sogar ein paar aus kleiner Pappe davon hier. Vielleicht tauchen Sie irgendwann einmal im Blog auf.

„Der alte deutsche Hoffmann spricht:

Ohne Stärke geht es nicht!“

Hoffe, es hat Dir gefallen mit mir in der Vergangenheit zu schwelgen.

Mein nächster Artikel lässt diesmal nicht so lange auf sich warten,

bis später also.

Björn

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