Burg Stolzeneck

Burg Stolzeneck. Unterwegs am Neckar. Besuch eines alten Gemäuers, der Ruine der Burg Stolzeneck. Historisches und Fotos. Björn auf Herbsttour.

Der Herbst ist eine perfekte Zeit für Besuche alter Ruinen. Allerdings macht das regnerische Wetter allzu oft einen Strich durch die Planung. Die Wege werden rutschig und meist liegen die Burgen auf einem Hügel.

Heuer kommt noch die Pandemie dazwischen, so gibt es immer noch abgesperrte Orte. Umso mehr freue ich mich wieder auf eine, mir Unbekannte, Burg zu wandern.

Burg Stolzeneck habe ich mir ausgesucht.

Also Rucksack gepackt, Kamera nicht vergessen und es kann losgehen. Ab an den Neckar.

Wo liegt Burg Stolzeneck?

Wie gerade erwähnt, Burg Stolzeneck liegt über dem Neckar. Die Burg ist nicht so prominent wie beispielsweise Hirschhorn oder die Burgen in Neckarsteinach. So muss ich erst einmal recherchieren, wo genau ich meine Erkundungstour starten kann.

Startpunkt ist der Wanderparkplatz Stolzeneck-Krösselbach in der Nähe von Rockenau, einem Teilort von Eberbach.

Die Fahrt führt lange auf einer kleinen Straße am Neckarufer entlang, dann erreiche ich den Parkplatz – viel ist hier nicht los. Umso besser.

Auf steilen Pfaden zu Burg Stolzeneck.

Ich informiere mich an dem Hinweisschild zu den unterschiedlichen Wanderwegen. Immer schön, wenn es diese Möglichkeit gibt. Dann noch einmal die feuchte Luft am Neckarufer eingeatmet und das „Abenteuer“ kann beginnen.

Auf alten Stufen führt der Pfad steil aufwärts. 

Ich muss aufpassen, es ist rutschig auf dem nassen Laub. Die feuchte Umgebung scheint der richtige Nährboden für Pilze aller Art zu sein. Einer schaut aus wie ein Laib Brot. Immer wieder erstaunlich, welche Formen die Natur hervorbringt.

Die Wanderung macht Freude, es gibt überall etwas zu entdecken und auch schöne Ausblicke auf die herbstliche Landschaft.

Dann sehe ich die ersten Reste der Burg durch die Bäume schimmern. Ich erreiche mein Ziel – Burg Stolzeneck.

Stolzeneck wird erstmalig 1268 erwähnt.

Dies geschah in Zusammenhang mit einer „Witwe von Stoltzinecke“. Wahrscheinlich wurde die Burg aber früher erbaut, möglicherweise um 1200.

Eine typische Zeit für den Burgenbau im Neckar-Odenwaldgebiet. Viele Anlagen wurden im 13. Jahrhundert erstmals erwähnt oder errichtet. 

1284 erwarb der Pfalzgraf Ludwig II. (auch „der Strenge“ genannt) aus dem Geschlecht der Wittelsbacher die Burg. Er belehnte die kleine Herrschaft an unterschiedliche Lehensnehmer. Viel Besitz scheint nicht dazugehört zu haben, Rockenau und Krösselbach gehörten dazu, sowie Fischereirechte am Neckar.

Im Pfälzisch-Bayerischen-Erbfolgekrieg wurde Burg Stolzeneck beschädigt. 

Als 1610 die Lehensnehmer aus der Familie der Freiherren von Frauenberg aussterben, fällt die Burg zurück in den Besitz der Kurpfalz und wird nicht mehr neu an eine andere Familie belehnt.

Einem Bericht nach zu urteilen ist die Anlage zu dieser Zeit baufällig. Dies scheint die Besitzer zur Abbruchfreigabe bewogen zu haben. Zugehörige Ländereien und Rechte wurden veräußert und der Burgweiler Krösselbach gleichfalls aufgegeben. Die wenigen Bewohner werden nach Zwingenberg umgesiedelt.

Interessanterweise hegte man zunächst den Plan die großen Quader als Baumaterial über den Neckar nach Mannheim zu transportieren. Hierfür wären knapp 1.000 Schiffsfahrten (damals hatte man nur kleine Boote im Stile eines Einbaums – auch Nachen genannt zur Verfügung) notwendig gewesen, also gab man diesen Plan wieder auf.

In den kommenden Jahrhunderten verfiel die Burg immer mehr, die Anlage geriet mit der Zeit in Vergessenheit und erst in den 1960er Jahren wurden deren Reste freigelegt.

Und heute stehe ich hier mit meiner Kamera. Hätte sicher im Zeitalter der Erbauung nicht einmal der begabteste Seher dran gedacht.

Durch einen Durchgang gelange ich in die Vorburg.

Hier gibt es ein paar Bänke und einen Brunnen. Von den einstigen Gebäuden gibt es nur noch wenige Reste. Die niedrige umgebende Mauer lässt noch Reste eines Wehrgangs erkennen. Östlich finde ich die Bodenreste eines Gebäudes.

Die Kernburg ist heute einsturzgefährdet.

Beeindruckend ist die mächtige Schildmauer.

Diese erhebt sich knapp 21 Meter über den umgebenden Zwinger. Ihre Mauern sind, wie ich gelesen habe, bis zu 2,85 dick. In der Kernburg finde ich auch die Überreste eines weiteren Gebäudes.

Es scheint sich um einen Wohnbau gehandelt zu haben, möglicherweise mit bis zu vier Stockwerken. Wahrscheinlich wurde dieser erst später ergänzt. Vielleicht in der Zeit der Erbfolgekriege im frühen 16. Jahrhundert. Auch damals soll die Burg beschädigt worden zu sein.

Annehmen darf man einen Wohnbau freilich bereits vorher.

Wie üblich hat man das Baumaterial in dem späteren Erweiterungsbau wiederverwendet.

Die Burg scheint ansonsten keine Türme besessen zu haben – auch in der Zwingermauer finde ich keine Hinweise auf Ecktürme.

Besondere Ausblicke habe ich von hier auch nicht, allerdings bin ich auch nicht die metallenen Stufen hinaufgestiegen. Die Absperrungen haben mich daran gehindert.

Sicher stand die Anlage in ihren „goldenen“ Zeiten frei auf dem Hügel über dem Neckar – damit konnte man den Fluss gut überwachen.

Ich gehe nun weiter, sonst wird es langsam duster. Mein Weg führt zunächst steil aufwärts, um dann auf einem Rundkurs hinunter zum Neckar und zurück zum Parkplatz zu gelangen.

Burg Stolzeneck ist einen Besuch wert. 

Vielleicht komme ich irgendwann wieder und schaue mir an, wie die Anlage dann erhalten ist.

Bis dahin bleib gesund und interessiert,

ich grüße Dich
Björn

BeschreibungRuine, Höhenburg
KoordinatenGoogle Maps
EintrittNein
ParkplatzJa
GastronomieNein
 KommentarSehenswerte Ruine über dem Neckar
LinkBurg Stolzeneck (Wikipedia)
Björn
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