Jagdschloss Kranichstein

Besuch des Jagdschloss Kranichstein bei Darmstadt. Höfischer Glanzpunkt einer untergegangenen Epoche. In Wort und Bild.

Zugegeben, hier war ich schon unterwegs. Das schmucke Ensemble bildet mit seiner jagdhistorisch geprägten Umgebung einen besonders netten Eindruck.

Ansichtssache.

Mich jedenfalls zieht es wieder hin in den Norden von Darmstadt. Hier, im gleichnamigen Stadtteil Kranichstein, befindet sich das Renaissanceschloss.

Direkt vor dem Gebäude, welches ein Museum und ein Hotel beherbergt, befinden sich zahlreiche (kostenfreie!!!) Parkplätze.

Willkommen in der Welt der barocken Jagd.

Woher kommt der Name Kranichstein?

Dieser seltsam anmutende Name stammt scheinbar von einem Henne Cranich zu Dirmstein, welcher eine Einsiedelei in dieser Gegend besaß. Nun liegt das Jahrhunderte zurück, der Name blieb aber erhalten.

In den 1960er Jahren verkaufte die Familie von Hessen und bei Rhein ein riesiges Areal ihres ehemaligen Besitzes und darauf entstand die Satelittenstadt Kranichstein.

Heute leben dort mehr als 11.000 Einwohner.

Aber es soll ja nicht um den Ort gehen, wir schauen uns ja das Schloss an.

Das Jagdschloss Kranichstein.

Vom Parkplatz sind es nur wenige Schritte und schon stehe ich im Hof der dreiflügeligen Anlage.

Erbaut wurde das Schloss in der Zeit zwischen 1578 und 1580 von Baumeister Jakob Kesselhuth im Auftrag von Landgraf Georg I.

Jener Jakob Kesselhuth war seit 1569 unter seinem Landesherrn Hofbaumeister in Darmstadt. Unter seinen wachsamen Augen entstand neben etwa zur gleichen Zeit das Schloss Lichtenberg (1570 bis 1581).

Scheint eine Zeit reger Bautätigkeit gewesen zu sein.

Georg I. von Hessen-Darmstadt war ein Sohn des Landgrafen Philipp I. von Hessen und seiner Frau Christine von Sachsen. Zu jener Zeit wurde die Herrschaft Hessen in vier Teile zersplittert und Georg erhielt etwa ein Achtel der damaligen Landgrafschaft Hessen. Woraus sich die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt entwickelte.

Georg, der auch Georg der Fromme genannt wurde, lebte zwischen 1547 und 1596.

Jagdschlösser waren quasi ein Muss für den modernen Adelsherrn. 

Wenn ich durch unsere Felder schaue, dann ist die Leidenschaft für die Jagd auf wehrloses Wild mittlerweile auf die heutige Bevölkerung übergeschwappt. Das Wildtier hat nur wenig Lobby. Aber lassen wir das.

Unter den Landgrafen Ernst Ludwig (1667 bis 1739) und Ludwig VIII. (1691 bis 1768) wurde die Jagd zelebriert. Kranichstein wurde ein richtiger „Jagdbetrieb“.

Noch heute kannst Du zahlreiche Fundstücke hiervon erkennen. Sternförmig wurden große Schneisen vom Schloss ausgehend angelegt. Aus einem gesichterten Saufang konnte auf die Tiere geschossen werden – eines dieser „Relikte“ ist noch heute im Wildpark zu finden.

Es gab regelrechte Feste, Parforcejagden und das „eingestellte Jagen“ wurden mit zahlreichen Gästen abgehalten.

Parforcejagd und eingestelltes Jagen.

Neben dem Schlosshof gibt es einen kleinen Schlosspark, welcher von einem Mauerwerk umsäumt ist.

Apropos Parforcejagd.

Darunter versteht man eine Hetzjagd, mit der man mit Pferden und einer Hundemeute die Tiere hetzt. Diese Form der Jagd gibt es auch heute noch in einigen Ländern wie Frankreich.

Bei uns ist diese Form der Jagd heute verboten.

Unter dem „eingestellten“ Jagen versteht man ein zusammentreiben des Wildes in großer Zahl, die Jäger standen mit ihren Gewehren bereit und zerschossen die Beute.

Man könnte es durchaus auch als Gemetzel bezeichnen.

Das Jagdzeughaus.

Unweit des Schlosses befindet sich der Backhausteich und anschließend ein Wildgehege mit Hirschen und anderem Wild. Dieses Wildgehege bietet sich an für ausgedehnte Spaziergänge. Das Wild wirst Du meist in der Dämmerung erkennen.

Vielleicht mache ich dazu ein anderes Mal einen eigenen Artikel.

Ganz in der Nähe treffe ich auf das ehemalige Jagdzeughaus. Der eindrucksvolle Bau beherbergt heute das Bioversum Kranichstein.

Das Gebäude ist sehr interessant und ziemlich lang. Echt beeindruckend. 

Erbaut wurde es zwischen 1688 und 1690 in den Formen des Barock. Es ist stolze 112 Meter lang und 10 Meter breit.

Früher gab es im Erdgeschoss einen durchgehenden Stall, dort standen auch die Wagen und die Pferde für die Parforcejagden. Oben unter dem Dach, welches im Stil eines Mansarddaches gearbeitet ist, wurden die Jagdlappen für die „Lappjagd“ aufbewahrt.

Aus dieser Form der Jagd stammt auch der Ausdruck „Durch die Lappen gegangen“.

Und was ist das Bioversum?

Aufgabe des Bioversum ist die Vermittlung der biologischen Vielfalt als Existenzgrundlage des Lebens. Als Beispiel wird eine moderne Ausstellung zu einem Buchenwald gezeigt.

Ein Aussengelände und verschiedene Gruppenangebote ergänzen das Museum.

Mein Fazit.

Mein Ausflug zu Schloss Kranichstein neigt sich seinem Ende entgegen. 

Es ist ein interessanter Ort, der noch immer seinen eigenen Charme entfaltet. Die Gebäude sind durchaus ansehnlich, aber auch die vorhandenen Museen sind sehr schön.

Gerade das Schloss mit seinen Epochenräumen hat mir sehr gut gefallen.

Letztlich dominiert hier das Thema Jagd, aber dafür ist es ein ehemaliges Jagdschloss.

Mir gefällt auch die Landschaft sehr, es macht einfach Freude, um den Backhausteich zu wandern und dabei immer wieder die Rufe der Blesshühner im Ohr zu haben.

Vielleicht hat es Dir auch ein bisschen gefallen, mal schauen was als nächstes vor die Kamera kommt.

Bis dahin, bleib interessiert

Björn

Und hier noch ein paar informative Links:

 


Beschreibung Schloss
Koordinaten Google Maps
Eintritt Ja, Schlosspark frei
Parkplatz Ja
Gastronomie Ja
Kommentar Museum sehenswert

 

Björn
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1 Kommentar
  1. Calendula sagte:

    Sehr schönes Anwesen, das Haus mit dem geschnörkelten Giebel ist doch wunderschön!
    Ich mag es, wenn so historische Stätten erhalten und gepflegt werden. Es ist lebendige Geschichte!

    Danke fürs Zeigen!
    Liebe Grüße
    Calendula

    Antworten

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