Zurück in Fürstenau.

Zurück in Fürstenau.

Burgen und Schlösser im Odenwald. Besuch auf Schloss Fürstenau in Steinbach. Spurensuche der Geschichte auf alltagserinnerungen.de

Frühjahr im Odenwald. Wenn es auch nicht immer so ausschaut. Während in den Wintermonaten nicht viele Ziele in meiner Entdeckungsagenda stehen, geht es nun wieder vermehrt raus in die erwachende Natur.

Dieses Jahr habe ich Schloss Fürstenau als eines meiner ersten Ziele vorgemerkt. Sicher, ich war schon einmal dort und ja, ich hatte damals auch darüber berichtet. Doch hier im Blog ist davon nichts zu finden. Grund genug mich wieder auf den Weg zu machen und dieses Schloss mit „anderen“ Augen zu sehen.

Mein Auto stelle ich in Steinbach auf dem großen Parkplatz ab. Gummipunkte gibt es dafür, dass der Parkplatz umsonst ist. Sollten sich viele ein Beispiel daran nehmen.

Die Basilika des Steinbach liegt genau gegenüber, aber die ist nicht mein Ziel – es liegt in meinem Rücken und dahin mache ich mich nun auf den kurzen Weg.

Das neue Palais.

Schloss Fürstenau betrete ich durch die „Hintertür“. 

Vor mir liegt das „Neue Palais“ aus den Jahren 1808 bis 1811. Mit der Errichtung dieses klassizistischen Bauwerks wurden eine Kapelle und weitere Gebäudeteile aus dem 16. Jahrhundert abgetragen.

Wenn es auch optisch nicht wirklich zu den weiteren Teilen der Anlage zu passen scheint, hat es doch seine eigene Schönheit. Interessant finde ich die Ananas in den Dachwinkeln.

Sicherlich war einer der Gründe für diesen Bau der Wunsch nach mehr Bequemlichkeit und Moderne, denn ich stelle mir das Alte Schloss – sprich die ehemalige Wasserburg – nicht gerade als besonders wohnlich vor.

Schließlich standen im aufkommenden 19. Jahrhundert mehr repräsentative, statt wehrhafte Zwecke einer Heimstatt auf dem Programm.

Die Kernburg von Schloss Fürstenau.

Im Hof eröffnet sich der Blick auf die Kernburg, welche hoch vor mir aufragt.

Diese wurde um das Jahr 1300 durch den Erzbischof Gerhard von Mainz an dieser Stelle errichtet. Hier in der Ebene wundert die Errichtung einer Wasserburg nicht weiter. 

Ihre Verkehrsgünstige Lage an zwei weitreichenden Straßen hatte jedoch einen gewaltigen Nachteil. Lag sie doch quasi vor den Toren der Herren von Erbach. Streitereien ließen denn auch nicht lange auf sich warten.

Anno 1355 wurde die Burg letztlich an die Erbacher verpfändet und deren Nachfahren leben hier bis heute.

Die eigentliche Form der kastellähnlichen Burganlage lässt sich noch gut erkennen. 

Eine geschlossene Anlage mit über zehn Meter hohem Mauerwerk und einem über zwanzig Meter hohem Eckturm an jeder der vier Ecken. Drei davon sind noch heute vorhanden.

In Frankreich findet man ähnliche Anlagen, hier im Odenwald eher nicht.

Erweiterung in Richtung Schloss.

Sich anpassend an die zeitlichen Gegebenheiten, wurde die ehemalige Wasserburg stetig zu einem repräsentativeren Schlossbau umgewidmet.

Verfügte die Burg wahrscheinlich ursprünglich noch über einen Fachwerkbau als Palas, wurde die Bebauung zu einer vierflügeligen Anlage aus Stein weiterentwickelt.

Um 1530 bis 1540 wurde anstelle des bisherigen Turmes an der Südostecke ein neuer Hauptturm errichtet. 

Engültig wuchsen die Vorburg und die Wirtschaftsgebäude 1588 mit der Kernburg zusammen. Zu jener Zeit wurden nicht nur die Wassergräben zugeschüttet und die eigentliche Wasserburg zu Grabe getragen. Nein, auch die Westmauer musste weichen und wurde durch einen spektakulären Bogen von 11 Metern Höhe und 15 Metern Breite ersetzt.

Dies zeigt die geänderten Zeiten an, eine Verteidigungsanlage war Fürstenau von dan an nicht mehr.

In der Vorburg.

Zwischen der Kernburg und dem Neuen Palais befindet sich ein alter Bau, welcher die Beschließerei beherbergte. Errichtet wurde sie gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Wie erwähnt gab es vor der Errichtung des späteren Wohnbaus noch ein Kanzleigebäude und eine Kapelle.

Ich wende mich nun in Richtung des Tores und der Wirtschaftsgebäude zu, diese liegen in Richtung Straße und sind sicherlich ein Ausdruck der späteren Residenzbestrebungen.

Der Tor und Remisenbau wird auch Neuer Bau bezeichnet und wurde zu Beginn der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts errichtet.

Aus dem Tor hinausgehend fällt mein Blick sogleich auf das Gebäude der ehemaligen Schlossmühle. Dieses ist im Stil der Renaissance um 1733 errichtet worden.  

Gegenüber, durch die Mümlingbrücke erreichbar, liegt das ehemalige Gartenpavillion. Dieses wurde später zu einem kleinen Hoftheater erweitert.

Der Schlosspark ist leider nicht öffentlich zugänglich und macht einen ziemlich verwilderten Eindruck. Hervorgegangen aus einem Ziergarten im Stil des 17. Jahrhundert wurde dieser in den Anfängen des 19. Jahrhunderts zu einem englischen Landschaftsgarten weiterentwickelt.

Hiervon ist heute wenig zu erkennen, in seinem Inneren befindet sich ein kleines Orangerie Gebäude. Errichtet im Stil des späten Barocks.

Gesamteindruck.

Schloss Fürstenau, manchmal auch als Schloss Steinbach benannt, ist eine sehenswerte Anlage.

Alles wirkt etwas verwunschen und aus der Zeit gefallen – so möchte ich es gerne nennen.

Touristisch ist die Anlage nicht erschlossen, kann jedoch zu bestimmten Tageszeiten kostenlos im Hofbereich begangen werden. 

In Zeiten überbordender Verkmarktung solcher Anlage eine Seltenheit.

Wenn Du in der Nähe bist, schau Dir Schloss Fürstenau an – es lohnt sich dennoch.

Bis zum nächsten Mal,
bleib interessiert
Björn


BeschreibungNaturschutzgebiet
KoordinatenGoogle Maps
EintrittNein
ParkplatzJa
GastronomieJa, im Ort
 KommentarSehenswerte Natur und viele Wasservögel
LinkNaturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue (Offizielle Seite)
Kühkopf (Wikipedia)
Kühkopf Seite
Björn
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4 Kommentare
  1. Traudi sagte:

    Lieber Björn,
    ich kann mich gar nicht sattsehen an den eindrucksvollen Fotos. Wieder mal ein Schloss nach meinem Geschmack. Ach wäre es doch nicht so weit entfernt, ich würde mich gleich ins Auto setzen und hinfahren.
    Hab noch einen schönen Rest-Sonntag!
    Liebe Grüße
    Traudi

    Antworten
  2. Birgitta sagte:

    Danke für die Beschriebung seiner Eindrücke.
    Jetzt hab ich Lust bekommen, mir das Schloss und die Umgebeung mal anzuschauen und werde den heutigen Feiertag dazu nutzen.
    Ist von Darmstadt ja nicht so weit weg. 🙂

    Viele Grüße
    Birigtta

    Antworten
    • Björn sagte:

      Hallo Brigitta,

      leider war das Wetter am Samstag nicht sonderlich gut.
      Aber so ein Schloss läuft ja nicht davon 😉

      Ist wirklich ein „verwunschener“ Ort.

      Schöne Grüße
      Björn

      Antworten

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