Die Ersheimer Kapelle in Hirschhorn

Bei Hirschhorn, auf der anderen Neckarseite, liegt die Ersheimer Kapelle. Schon oft habe ich gedacht, was ist das für eine Kirche ohne hohen Kirchenturm. Also musste ich sie mir näher ansehen. Auf Entdeckungstour zur Ersheimer Kapelle.

Fährst Du am Neckar entlang durch den Ort Hirschhorn, dann wird sie Dir auf der anderen Neckarseite bald auffallen, die Ersheimer Kapelle.

Passenderweise steht sie im Stadtteil Ersheim auf einer Landzunge gegenüber von Hirschhorn selbst.

Historie der Ersheimer Kapelle

Ersheim wird erstmalig um 773 im Lorscher Codex erwähnt, damit ist es älter als Hirschhorn selbst. Dem Inhalt des genannten Codex zu Folge schenkten ein gewisser „Liutfrid und Liutbrand“ ihre Besitztümer im Dorf Ersheim dem Kloster Lorsch.

Für die Kapelle wird eine erstmalige Erbauung gleichfalls für das 8. Jahrhundert angenommen, allerdings gibt es dazu keine urkundliche Bestätigung.

Die erstmalige urkundliche Erwähnung finden wir im Jahr 1345 in einem Ablass, diesen gewährte Pabst Clemens IV. dem Hirschhorner Ritter Engelhard I.

Schon zu jener Zeit war die Kirche Grablege für die Gebeine der Hirschhorner Herren. Erwähnter Engelhard I. ließ dann die bisherige Holzkirche abreißen und eine neue Kirche errichten. Fertiggestellt wurde diese erst unter seinem Sohn Hans.

In den Anfangsjahren diente die Kirche auch als Stadtkirche für das benachbarte Hirschhorn, unterhalb der Burg (von dieser habe ich ja bereits berichtet).

Im Laufe des Mittelalters wirkten hier, wie Wikipedia uns berichtet, fünf Altaristen, welche bis zu 100 Messen im Jahr abhielten.

Anno 1464 kam es zu einem Umbau, bei welchen das Langhaus in seiner heutigen Form hergestellt wurde. Ein halbes Jahrhundert später, 1517, wurde die Kirche um einen größeren Chorbau ausgebaut.

Durch die Reformation wurde die Stadtkirche im Jahr 1528 protestantisch.

Aber die Zeiten änderten sich.

Der kleine Ort Ersheim war durch seine Lage immer wieder dem Hochwasser des Neckar ausgesetzt. Dies galt gerade für die Kirche, die ja unweit des Ufers steht.

Für die Menschen boten zudem die Mauern der gegenüberliegenden Stadt Hirschhorn wesentlich mehr Schutz vor Gefahren.

So wurde es in Ersheim immer Menschenleerer.

Als dann 1636 die Klosterkirche Mariä Verkündigung der Karmeliter in Hirschhorn die Funktion als Stadtkirche übernahm, wurde die Ersheimer Kapelle zur Friedhofskirche und begann zu zerfallen.

Der bisherige Glockenturm wurde gar 1771 abgerissen und 1818 die ganze Kirche zum Abbruch freigegeben, was aber durch heftige Proteste der Hirschhorner verhindert werden konnte. Ein angeschlossenes Beinhaus konnte hierdurch jedoch nicht mehr gerettet werden.

In der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg gab es Prozessionen zur Ersheimer Kapelle, die von der Marktkirche in Hirschhorn ausgingen. Sie hielten sich bis zur Neuzeit, wurden allerdings während des „Dritten Reiches“ verboten und kamen danach nicht mehr richtig in Fahrt.

Die Ersheimer Kapelle heute

Wenn Du heute hier vorbei kommst, dann findest Du ein Langhaus im Rechteck in gotischer Ausgestaltung. Daran schließt sich ein, gleichfalls gotisch gestalteter, Chor mit einem Kreuzrippengewölbe. Eine kleine Sakristei ist angebaut.

Im Chor findest Du mehrere Konsolfiguren. Unter einem Engel kannst Du auf einem Spruchband die Jahreszahl 1517 erkennen. Auf den Schlusssteinen vom Gewölbe sind die Wappen der Herren Hirschhorn-Venningen, Hirschhorn-Bock von Gerstheim und Hirschhorn-Fuchs zu Bimbach zu erkennen.

Beeindruckend ist der Altar mit seinen gotischen Plastiken, welche aus Holz gefertigt sind. Gezeigt wird Maria mit Jesus und St. Nazarius mit Celsus und St. Jakobus. Allesamt aus der Mitte des 15. Bis zum beginnenden 16. Jahrhundert geschaffen.

Weiteres auffälliges Merkmal sind die Grabplatten der Ritter von Hirschhorn. Darunter die Grabplatte von bereits erwähntem Engelhard I. von Hirschhorn.

Die Kapelle steht heute auf einem kleinen Friedhof, der mit seiner umfassenden Mauer ein in sich geschlossener Komplex darstellt.

Vom Eingang linker Hand findest Du an der Außenseite eine schöne Szenerie aus Sandstein. Diese wurde um 1520 geschaffen und zeigt eine Ölbergszene. Ursprünglich stand sie bei der Klosterkirche von Hirschorn und wurde erst 1669 zur Kapelle verbracht.

Mein Besuch der Ersheimer Kapelle

Es hat sich gelohnt zu der kleinen Kapelle auf der anderen Neckarseite zu gehen. Wie der ganze Ort Hirschhorn strahlt sie einen mittelalterlichen Hauch aus. Sie atmet Geschichte.

Nicht umsonst gilt sie als älteste Kirche im Neckartal und ist ein gotisches Kleinod.

Ich hoffe der kleine Bericht hat Dir gefallen und meine Fotos konnten Dir einen Eindruck von dem Bauwerk vermitteln.

Es grüßt Dich freundlich
Björn :)


BeschreibungKirche
KoordinatenGoogle Maps
Eintrittkostenlos
ParkplatzJa
GastronomieJa, in der Stadt
Björn
Letzte Artikel von Björn (Alle anzeigen)
1 Kommentar

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Auf der anderen Flussseite befindet sich die Ersheimer Kapelle, meinen Bericht findest Du hier. […]

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.